Wessis und Ossis – wie vereint ist Deutschland wirklich?
Shownotes
Deutschland feiert am 3. Oktober den Tag seiner Einheit. Aber wie ist das Land seit der Wiedervereinigung zusammengewachsen? Und welche strukturellen Unterschiede trennen Ost und West noch immer?
Darüber spricht der Leiter des GMX-Hauptstadtbüros, Fabian Busch, mit der Journalistin Marieke Reimann. Ihr ist etwas eher Ungewöhnliches gelungen: Sie hat als Ostdeutsche auch in Westdeutschland Karriere gemacht. Die gebürtige Rostockerin war von November 2021 bis Dezember 2024 Zweite Chefredakteurin des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR) und leitete die Runde der ARD-Chefredakteure.
Ungewöhnlich ist das, weil Karrieren von Ostdeutschen im Westen noch immer eher die Ausnahme als die Regel sind. Umgekehrt sieht es anders aus: Nach der Wiedervereinigung der beiden deutschen Staaten besetzten Westdeutsche reihenweise wichtige Funktionen in Ostdeutschland, in Politik, Wirtschaft, Medien und Wissenschaft.
Marieke Reimann hat gerade ihr Sachbuch "Zweite Wende – Warum Ostdeutschland uns alle angeht" veröffentlicht. Wozu braucht das Land aus ihrer Sicht eine zweite Wende? Was verbindet und was trennt Ost und West auch 36 Jahre nach der Wiedervereinigung?
Zum Weiterlesen:
- Warum wird der Tag der Deutschen Einheit eigentlich am 3. Oktober gefeiert?
- Website von Marieke Reimann
Ihr habt Fragen oder Anregungen zu unserem Podcast generell oder zu dieser Folge? Dann schreibt uns eine E-Mail mit dem Betreff "Xplained" oder schickt uns eine WhatsApp-Sprachnachricht an die Nummer 0151 12051433.
Beteiligt an dieser Folge waren:
- Gast: Marieke Riemann
- Redaktion GMX: Fabian Busch
- Projektleitung GMX: Christian Zechel
- Projektleitung Pool Artists: Anna Vahldick
- Redaktion Pool Artists: Julia Illmer
- Produktion Pool Artists: Max Finger & Benjamin Meyer
Transkript anzeigen
00:00:00: Ich weiß nicht wie es euch geht, aber für mich ist das Brandenburger Tor immer noch ein Ort an dem ich ein bisschen Gänsehaut kriege.
00:00:07: Ich wohne da buchstäblich um die Ecke und laufe da eigentlich mehrmals die Woche durch.
00:00:12: Und ich finde das immer noch in krassen Gedanken.
00:00:14: vor vierzig Jahren wäre das nicht möglich gewesen weil dann im Mauerstand die zwei deutsche Staaten getrennt hat.
00:00:20: Jetzt kann ich da eben einfach so durchlaufen oder mit dem Fahrrad fahren wenn ich auf den Weg zu einem Termin bin oder einen Tiergarten will oder eine Toggingrunde drehe.
00:00:28: Also irgendwie ist es für mich so ein Symbol, dass sich ganz vieles zum Guten wenden kann.
00:00:34: Marike wie geht es dir damit?
00:00:35: Was verbindet du mit dem Brandenburger Tor?
00:00:38: Ich verbinde mit dem Brandenburger Tor.
00:00:40: Vor allen Dingen, dass ich, als ich gerade nach Berlin gezogen bin, am Brandenberger Tor abends am neunten Elften lang gelaufen bin und da gab es so eine Lichtinstallation mit über achttausend mithilium gefüllten weißen Ballons die an den zwanzigsten Jahrestag des Mauerfalls erinnern sollten.
00:00:59: Ich erinnere mich daran, dass ich das relativ bewegend fand.
00:01:01: Da diese Ballons erst zu sehen die dann in der deutsche Grenze nachgebildet haben und die dann so in die Luft gestiegen sind einfach als Symbolik dafür, dass dies diese Grenze nicht mehr gibt.
00:01:21: Und darum soll es heute gehen um die deutsche Einheit?
00:01:24: Um den Stand dieser Einheit, thirty-six Jahre nach der Wiedervereinigung.
00:01:28: Darum was uns getrennt hat und was uns heute verbindet.
00:01:31: und damit herzlich willkommen zu Xplained!
00:01:34: Mein Name ist Fabian Busch, ich bin Hauptstadt-Korrespondent von gmx und web.de Und ich bin gebürtiger Wessi.
00:01:40: Ich bin in Fersmold in Westfalen aufgewachsen, habe danach in Heidelberg und Mannheim gelebt... ...und bin dann vor fünf Jahren nach Berlin gekommen.
00:01:47: Mein Gast ist Marike Reimann.
00:01:49: Sie ist auch Journalistin aber sie hat eine ostdeutsche Biografie.
00:01:53: Sie ist in Rostock aufgewachsen und die ist nach ihrem Studium etwas eher Ungewöhnliches gelungen.
00:01:58: Sie hat nämlich auch im Westen Karriere gemacht, warum das eher ungewöhnlich ist darüber reden wir noch.
00:02:04: Auf jeden Fall war Marike unter anderem zweite Chefredakteurin des SWR also tief im Südwesten Deutschlands.
00:02:11: Marike du hast gerade das Buch Zweite Wände veröffentlicht.
00:02:14: welche zweite Wende wünschst Du dir?
00:02:16: Ich wünsche mir eine Die Debatte erst mal darüber, die wegkommt von dieser emotionalen Aufgeladenheit.
00:02:23: Ich würde mir einfach wünschen und deswegen habe ich dieses analytische, anekdotische Sachbuch geschrieben was sehr niedrigschwellig zugänglich sein soll also auch für Nicht-Akademikerinnen nicht Akademiker durchlesbar seien soll Was wieder zurückkommt zu einer Faktenlage, weil ich gerade oft erlebt habe in den vergangenen Jahren das vor allen Dingen westdeutsche Medien immer so nach.
00:02:45: Wie ist er denn der Aussie?
00:02:46: In Anführungsstrichen mache ich das mal suchen Und das insinuiert so eine Emotionalität und fast eine Wahrnehmungsstörung bei Ostdeutschen, die so eine pathologische Schieflage irgendwie vermutet.
00:02:59: Und gleichzeitig gibt es aber eine tatsächliche und stark vorhandene strukturelle Schieflage, die sich v.a.
00:03:05: in Repräsentationen und wirtschaftlichen Unterschieden äußert – auch sechsundreißig Jahre nach der Wiedervereinigung.
00:03:11: Das ist das, worauf ich hinaus will mit dem Buch!
00:03:13: Findest du es eigentlich richtig, dass wir immer noch von Ost und Westdeutschen reden?
00:03:17: Würdest Du Dich selbst als Ostdeutsche bezeichnen.
00:03:20: Ich würde mich selbst als Osteutscher bezeichnene.
00:03:22: Es kommt immer auf den Raum an wo man wie über sich selbst spricht.
00:03:26: Das ist ja die große Frage der Identität, die dahinter steht Und das alleine ist schon eine philosophische Abhandlung über mehrere Buchbände wert.
00:03:36: Und wir alle wissen auch, wie stehen mal morgens so auf und mal so und fühlen uns mal so.
00:03:40: Also je nachdem was uns gerade im Leben beeindruckt oder beeinflusst und worüber wir nachdenken das prägt uns vielleicht in diesem Moment auch mehr.
00:03:47: Dann kommt es aber auch darauf an, wie bist du aufgewachsen?
00:03:50: Ich bin als Nachwendekind in Rostock-Schmal aufgewachsener Seimplattenbaugebiet und habe einfach mitbekommen dass um mich herum in meiner eigenen Familie und in den Familien meiner Freunde sehr viele Biografiebrüche stattgefunden haben.
00:04:04: Perspektivlosigkeiten, Scheidungen von Eltern oder Trennungen also dieses ganze was man so am Lebensanfang eigentlich als Schutzraum als Kind sonst wahrnimmt auch aufgeladen war bei mir mit so einer wie geht es morgen weiter?
00:04:18: können wir die nächsten monat bezahlen?
00:04:20: findet meine mutter wieder ein job einen anderen Job als den aus dem sie gerade geflogen ist etc.
00:04:26: und das ist eine Ich sag mal auch Ostdeutsche Nachwendeprägung, die viele meiner Generationen eint und die ich einfach greifbar machen möchte jetzt auch mit dem Buch.
00:04:35: Gleichzeitig vielleicht noch als Ergänzung bin ich natürlich auch Deutsche.
00:04:40: wenn ich im Ausland bin in Frankreich nicht unbedingt direkt nach West- und Ostunterschieden wird.
00:04:45: Und wenn wir in den USA fliegen dann sind wir alle Europäer das wissen wir und da wird nicht mehr danach geschaut kommt derjenige gerade aus Italien, aus Deutschland oder Spanien?
00:04:54: Also dass Ostdeutes sein basiert dann quasi eher auf sozusagen Lebenserfahrung, wie man gemacht hat und nicht so sehr auf einem ostdeutschen Mindset.
00:05:02: Es beruht einmal auf deiner Sozialisation.
00:05:05: Also in welchem Raum bist du mit welchen Menschen groß geworden?
00:05:07: Und ich bin ja mit Menschen, mit Lehrern und Lehrerinnen großgeworden, mit Sporttrainern, mit meinen Eltern die DDR-sozialisiert waren und die DDR als Diktatur erlebt haben dort aber auch aufgewachsen sind und diese Nachwändebrüche so oder so halt für sich verarbeitet haben, sich berappelt haben oder eben daran ganz schön zu knapsen hatten.
00:05:29: Und gleichzeitig sind wir aber Begriff aus der Sozialwissenschaft, der heißt Nested Identities.
00:05:34: Wir sind alle Menschen unterschiedlichste Identitäten und je nachdem in welchem Raum du bist aber auch mit welcher Zuschreibung dich im welchen Raum mit dir selbst auseinandersetzen musst ist denn die Identität mal vorderrangig?
00:05:47: oder die andere?
00:05:50: vor allen Dingen, wenn du als Ostdeutsche dann in den Westen kommst.
00:05:53: Eine Situation die dann doch wiederum viele Ostdeutsche kennen und auch einen dass du ich habe ja in Köln unter München gearbeitet oder in Hamburg Und es gab häufiger diese Situation das dann Leute zum Beispiel gesagt haben Du bist aus dem Osten, das merkt man ja gar nicht und du dann schon gedacht hast okay Woran wolltest du das jetzt merken?
00:06:11: Ah meine Sprache vielleicht also Norddeutschland spricht man ja eher nicht sächsisch und dann hast du schon sozusagen denjenigen etab dabei Dass du vielleicht vielleicht dachte alle Ostdeutschen sprechen irgendwie mit sächsischem Zungschlag, das ist nicht der Fall.
00:06:24: Oder sind es gar andere Vorurteile die ich dann sozusagen in dem Moment nicht bestätigt habe?
00:06:29: Aber worauf ich hinaus will, dass du anhand von bestimmten Kurz, die ich im meinem Buch Mikro-Ossinismus nenne schnell erkennst sozusagen wer aus dem Osten in einem westdeutsch Raum... Ich mache mal ein ganz kleines Beispiel auf.
00:06:43: Ich saß häufig an Konferenzen.
00:06:44: Da ging es darum, ob wir das nächste Meeting zum Beispiel in Frankfurt machen und ich hab's mir nie nehmen lassen zu sagen, Frankfurt am Main oder Frankfurt Oder, obwohl völlig klar war, dass eigentlich immer im Frankfurter Main ging weil Westdeutsche nie Main oder Oder dazu sagen oder sehr selten.
00:06:59: Und das sind so einzelne Codes wo dann vielleicht der Ostdeutsch, der eine andere Ostdeutche im Raum damit mir schmunzelt, weil er genau weiß worauf ich hinaus will.
00:07:08: Es gibt ne ganz interessante Studie von dem Soziologen Steffen Mau und Kollegen.
00:07:12: Demnach ist es so, dass sich gerade junge Menschen wieder viel stärker als Ostdeutsche identifizieren.
00:07:18: Zum Teil stärker as ihre Elterngeneration was ja auf eine gewisse Weise ein bisschen kurios klingt.
00:07:23: Sechsund dreizeig Jahre nach der Wiedervereinigung Wie würdest du das erklären?
00:07:26: Dass das offenbar in der jungen Generation wieder ne größere Rolle spielt?
00:07:30: Ich erkläre mir das darüber, dass diese Abwertungserfahrung die ich gerade schon so ein bisschen skizziert habe durch eben Vorurteile auf die du stößt im Westen aber auch Durchzuschreibungen die du in überregionalen Medien wieder findest.
00:07:47: oft den Osten als Wohlstandsgefährdung gerade Anfang und Mitte der Neunziger dargestellt haben oder sehr schnell, sehr stark dieses rechtsextreme Klischee bemühen.
00:07:56: Also ich erinnere mich da an diesen Deutschlandschlapphut zum dreißigjährigen Mauerfalljubiläum, wo drunter stand.
00:08:02: so ist er doch aus sie.
00:08:03: Und wie tickt denn nur ein Ostdeutschland?
00:08:05: Das ist ja schon eine eher verhönende, pauschalisierende Zuschreibung.
00:08:09: Dass du sozusagen als männlicher, weißer, eher dümmlicher aber sehr nationalistischer bis rechtsextremer Mensch wahrgenommen wirst und dieses erstarkene Wir-Gefühl das vor allen Dingen wir jetzt in der jungen Generation also so Menschen im meinem Alter mit der Ende dreißig Aber auch nach mir wahrnehmen auch ein Wir-Gefühl durch die Zuschreibung von außen, was als Abgrenzung verstanden werden muss.
00:08:35: Also dass eine jüngere Generation eben aufsteht und sagt hey wir sind hier nicht alle Neonazis und wir sind nicht alle diejenigen, die rechtsextremen Rumspringer stiefeln sondern wir haben eine aus deutsche Biografie, die sich zum Beispiel daraus speist, was ich gerade beschrieben habe, aus diesen Nachwenderfahrungen der Eltern, die am Armburtstisch eben offensichtlich wurden.
00:08:54: Und diese ostdeutsche Biografie zeichnet uns aus und vielleicht haben wir dadurch auch eine Transformationserfahrung und Transformationskompetenz in unserer Familien, unsere eigenen Biographie die wir vorne anstellen wollen.
00:09:07: Deswegen möchte ich explizit sagen dass ich Ostdeutscher bin.
00:09:10: Die andere Seite ist natürlich die sag mal, der verklärten folkloristischen Ostalgie.
00:09:17: Die die AfD vor allen Dingen propagiert, die sehr klar auf Simson-Fahrten, Volksfesten kostenlose Bratwürstchen essen und so weiter ein Ostdeutschsein voran stellt was ganz weit weg ist eigentlich von der AfD Politikprogrammatik also einen Gemeinschaftsgefühl über vermeintliche ehemalige DDR Werte herstellt wo sich Menschen dann aufgefangen und gesehen fühlen.
00:09:41: Aber eigentlich geht es der AfD da ja sehr opportunistisch, weil sie auch vor allen Dingen eine sehr westdeutsch geprägte Partei ist und sehr viele Politiker.
00:09:49: Wir sehen es gerade wieder daran, wer ins Parlament in Mecklenburg-Vorpommern einziehen wird eben noch aus dem Westen kommen.
00:09:54: Ergo keine eigene Ost oder DDR-Erfahrung haben also sehr oportunistisch dafür genutzt wird Neuwählerinnen zu gewinnen.
00:10:02: Und das sind so ein bisschen die Welten, in denen wir uns gerade bewegen.
00:10:06: Um das Thema AfD kommen wir nicht ganz herum.
00:10:09: Das haben ja auch gerade noch mal die Wahlergebnisse gezeigt, das hast du schon angesprochen in Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern.
00:10:15: Natürlich wird die AfD auch im Westen von vielen Menschen gewählt aber sie wird eben offenbar von den Ostdeutschen noch häufiger gewählt.
00:10:23: Wie würdest du das eigentlich erklären?
00:10:25: Es ist ja eine Partei, die mit ganz vielem bricht was eigentlich die Bundesrepublik jahrzehntelange ausgemacht hat.
00:10:32: warum verfängt dass Im Osten offenbar noch stärker als im West?
00:10:36: Ja, das sind ganz unterschiedliche Gründe.
00:10:38: Ich versuche mal ein paar in diesem Podcast anzutippen – da hast du es schon gesagt!
00:10:43: Wenn wir auf die Umfragewerte schauen, wenn nächste Woche Bundestagswahl wäre, liegt die AfD bundesweit gerade mit achtundzwanzig neun zwanzig Prozent in ganz Deutschland vorne Im Osten, das haben wir jetzt an den Wahlergebnissen gesehen in Sachsen-Anhalt und in Mecklenburg-Vorpommern.
00:11:01: In Sachsen Anhalt mit forty-kommar acht Prozent in Meeklenburg Vorpommeren.
00:11:05: Ich glaube so Pimal Daumen, thirty-fünfundreißig oder achten dreißig Prozent?
00:11:08: Ich weiß es nicht genau aber jedenfalls auch als Wahl Siegerin aus den Wahlen hervorgegangen ist das schon nochmal deutlicher.
00:11:16: Das liegt an verschiedensten Gründen.
00:11:18: zum einen sind dass die Gründe, die ich gerade schon gesagt habe, stark auf Migrationspolitik und Asylpolitik fokussiert hat, sondern gleichzeitig auch noch das lange links liegengelassenen, wassensinn des Wortes Thema des Nachwänder Ostens, fokusiert hat.
00:11:36: Und zum Beispiel auch ihre Parteibüros darauf ausgerichtet hat dort präsent zu sein wo bis dato etablierte demokratische Parteien nicht präsend waren.
00:11:45: wenn man sich die Verteilung der Parteibüro anschaut wird es ganz deutlich dass Union, SPD, Grüne und FDP nur maximal zehn Prozent ihrer Parteiberos im Osten haben.
00:11:55: Und vor allen Dingen haben sie sie nicht im ländlichen Osten.
00:11:58: Die AfD hat forty-fünf Prozent Ihrer Parteiberoes.
00:12:01: dazu zählen auch Stände auf dem Marktplatz zum Beispiel in Ostdeutschland.
00:12:05: das heißt Sie ist vielerorts viel mehr präsent als andere Parteien und schafft dann dadurch Zugänge und dieses osteigische Gemeinschaftsgefühl was ich von schon ein bisschen skizziert habe.
00:12:16: deswegen ist die Frage Was haben die anderen etablierten demokratischen Parteien, sozusagen vernachlässigt?
00:12:23: Dass jetzt die ganzen Stimmen zur AfD gehen.
00:12:26: Ein weiterer Punkt ist aber auch und das ist in Umfragen nach der Bundestagswahl zwanzig fünfundzwanzig offensichtlich geworden, ist nach wie vor dieses Abstrafen des westdeutschen Establishments, dieses Wir kommen nicht in Führungspositionen ihr seht uns nicht, hört uns nicht zu.
00:12:42: ich meine wir hatten jetzt gerade nach den Landtagswahlen Sachsen-Anhalt und Mikl Muck Voppern zum Beispiel wieder diese Situation dass die beiden größten Politetalk-Sendungen Karim Joskan Markus Lanz einen Wahlspezial nachklappt haben.
00:12:54: Und sie haben es aber leider vergessen, überhaupt irgendwelche Ostdeutschen einzuladen.
00:12:58: Es waren als Gäste keine Ostdeutchen in diesen Sendungen, obwohl es um Wahlen im Osten mitgingen.
00:13:04: Das ist so eine Problematik.
00:13:06: Die sind ostdeutscher ehrlich gesagt schon gewöhnt und das ist einfach nur absurd wenn man darüber nachdenkt.
00:13:10: ich habe das mit auf Instagram kommentiert und ich hatte darunter ein sehr interessanten Kommentar hat sich gemeint, aber da hat eine Juxerin geschrieben.
00:13:19: Na ja, dann machen wir halt einfach ne Auswertung zur nächsten Bayern-Wahl und schicken fünf Zwickauer hin in diese Talkshow.
00:13:25: Da
00:13:25: wär was los!
00:13:26: Da wäre
00:13:26: was los?
00:13:27: Und ich fand das sehr lustig.
00:13:28: Aber wenn man das so umdreht wird es noch absurder.
00:13:32: Das Dritte – und das darf man nicht tabuisieren, und das hat die Autoritarismusstudie, die auch in meinem Buch erwähne und die ja sehr repräsentativ ist – auch ergeben, die sich anschaut wer bringt welches Weltbild mit und wählt welche Partei.
00:13:48: Und diese Autoritarismusstudie hat für ganz Deutschland wieder herausgefildert, dass von allen AfD-Wählenden ein geschlossen ausländerfeindliches Weltbild haben.
00:14:00: Also das offensichtlich Ausländer feindliche Ressentiments die die AfD ja schürt verfangen oder nicht tangieren weil ihre Wählenden eben hauptsächlich weiße Deutsche sind, die sehr fern sind von den Repressionen.
00:14:16: Die das bedeuten würde, die auf die z.B.
00:14:17: vor allen Dingen Sachsen-Anhalt in ihr Wahlprogramm geschrieben hat wenn sie einen migrantischen Hintergrund
00:14:22: hätten.".
00:14:23: Du hast das Thema Führungskräfte gerade schon angesprochen.
00:14:25: nach der Wiedervereinigung wurden ganz viele einflussreiche Position im Osten von Westdeutschen besetzt.
00:14:32: da ging es um Ministerpräsidenten Rektorinnen und Rektoren von Hochschulen Geschäftsführer Unternehmen Und ich hab's einfach schon kurz erwähnt, du selbst warst zweite Chefredakteurin des SWR.
00:14:43: Also eines öffentlich-rechtlichen Senders in Westdeutschland.
00:14:46: Das war schon sehr ungewöhnlich oder?
00:14:48: Ja das ist ungewönlich und es ist schade dass das immer noch so ungewöhnlich ist also dass man das so heraus stellt.
00:14:54: Es ist natürlich gut für mich und Ich habe hart daran gearbeitet dass ich diesen Weg gehen kann obwohl ich auch im Buch skizziere, dass es mir erst mal immer nur um eine Festanstaltung ging.
00:15:04: Also aus dieser Erfahrung eines... Ich wachse in einer Platte auf und kann mir wenig leisten, in eine finanzielle Sicherheit als Journalistin einer Festanstellung zu kommen.
00:15:14: Und das brachte aber irgendwie auch mit sich, dass ich sehr viel gearbeitet habe und es sehr gewohnt war doppelt und dreifach so viel zu leisten.
00:15:26: Jetzt will ich gar nicht dieses neoliberale Argument bedientes, du musst dich nur anstrengen und das wird es was.
00:15:32: Worauf ich hinaus will ist eigentlich dass sich schon früh gemerkt habe, dass die Zugangshürden für Menschen die mit keinem Vermögen und mit keinm Netzwerk vor allen Dingen in so eine elitäre sehr weiße akademische Bubble wie den Journalismus hinein wollen echt sehr viel höher sind.
00:15:48: Und das gilt ja aber nicht nur für Ostdeutsche, sondern genauso für Menschen mit Migrationshistorien oder Menschen aus Arbeiterfamilien auch in Westdeutschland oder Menschen mit Behinderung.
00:15:57: zum Beispiel bis dahin dass ich als sich die ARD-Chefredakteur Runde geleitet habe zusammen mit Oliver Körr, dass ich da einfach eine von zwei ostdeutschen von insgesamt Pi mal Daum zwanzig Chefredakteureinnen in der ARD Runde war.
00:16:11: Und das ist was, sechsunddreißig Jahre nach der Wiedervereinigung.
00:16:14: Ein Zustand wo ich schon denke wenn es vor allen Dingen darum geht dass wir im überregionalen uns mit unseren Medienunternehmen da bleibe ich jetzt erstmal in der Perspektive befinden haben wir ja den Anspruch auch über regional alle Menschen möglich zu erreichen.
00:16:27: und wenn du diese Biografien der Menschen dir erreichen möchtest aber nicht in deinen Führungsetagen oder Redaktionen abbildest wie willst du sie dann erreichen?
00:16:34: ist meine Frage
00:16:37: Was müsste denn auf seiner Sicht passieren?
00:16:38: Dass es mehr solche Karrieren gibt wie deine?
00:16:41: Da müsste man da ansetzen, was ich eben schon als Zugangsbeschränkung beschrieben habe.
00:16:45: Dass es einfach niedrigschwelliger gestaltet wird das Menschen A in den Bewerbungsverfahren zum Beispiel bei Journalisten Schulen oder Medienunternehmen oder auch bei Wirtschaftsunternehmen.
00:16:54: Ich bin nur aber mal Journalistin und bin diese Medienkarriere gegangen.
00:16:57: deswegen bleibe ich oft bei diesem Beispiel dass die zugangs Beschränkungen beim Bewerbung Verfahren schon viel niedrig schwelliger sind.
00:17:03: Das zB Bewerbingen oder Bewerbumsmöglichkeiten für Volontariate oder Jobs nicht nur auf denen Datform ausgeschrieben sind, die einen Zugang zu der Elite schaffen.
00:17:14: Die eh schon darum weiß, sondern dass die breiter gestreut sind.
00:17:16: Das ist auch auf TikTok und Instagram in eine Zielgruppe reinrutschen, die eben jung ist und sich da trommelt und sich informiert.
00:17:23: Und das gleichzeitig dann ... Wenn man sich bewirbt, die Möglichkeit besteht, dass man in teuren Medienstädten wie Berlin München oder Hamburg-Uberlin gehört jetzt leider tatsächlich mit dazu.
00:17:34: Oder Köln, dass es demöglichkeit gibt, dass du dich nur auf diese Ausbildung des Voluntariats Fokusieren kann.
00:17:40: Das beschreibt ja auch, dass ich neben meinen Praktika immer noch ein oder zwei zusätzliche Jobs hatte und das sind Situationen, da.
00:17:47: es macht es dir natürlich schwieriger in deiner Ausbildung erfolgreich zu sein also dass man da eine finanzielle Unterstützung vom Unternehmen schon bekommt wenn dem Unternehmen wirklich daran gelegen ist ne Vielfalt in seinen Redaktionen zu haben Dass man so ausgestattet ist, dass man sich auf den Job fokussieren kann.
00:18:01: Ich bleibe mal beim Thema Netzwerke weil das kann man bisschen breiter auffächern Auch außerhalb der Medienwelt.
00:18:06: Wir alle wissen, dass sich Eliten aus sich selbst rekrutieren.
00:18:09: Also wenn es darum geht, dass Führungspositionen nachbesetzt werden.
00:18:13: Geht das ganz viel um Vitamin B?
00:18:15: Ich kenne jemanden der hat den und den Lebenslauf
00:18:18: usw.,
00:18:19: Wenn du aber in diesen Kreisen nicht stattfindest also niemand darum weiß was du schon geleistet hast und welche Biografie mitbringst und was Du schon erreicht hast dann wirst du eher auch nicht in die Auswahl gezogen für hohe Führungsposition.
00:18:33: Das heißt du brauchst eigentlich ein Netzwerk oder jemand der dir dieses Netzwerk an die Hand gibt.
00:18:38: Und da gibt es gerade zum Beispiel die Studienstiftung des Ostens, die sich das explizit zum Auftrag gemacht hat solche Netzwerke für ostdeutsche Biografien aufzubauen.
00:18:49: Also sie zu verbinden mit erfolgreichen extremen ... äh, extrem mit westdeutschen Netzwerken, die schon etabliert sind, die dann auch mit Stipendien zB auszustatten.
00:18:59: und ich mach mal an der Stelle transparent dass ich zum Beispiel bei der Medienanstalt Berlin-Brandenburg schon lange in einer Mentoringprogramm bin die eine ostdeutsche Biografie aus Berlin und Brandenburg mitbringen, wirklich unabhängig vom Alter gefördert werden.
00:19:13: Das find ich total toll, weil wir oft auch diese Generationengap haben, dass jetzt jüngere Menschen eher noch in die Möglichkeit kommen, gefördert zu werden.
00:19:22: und ich sag aber mal so ab vierzig wird es ein bisschen ... nimmt's ganz schön ab, dass man überhaupt noch gefördert werden kann.
00:19:27: Deswegen finde ich das Programm so toll, es heißt Boises auf Brandenburg.
00:19:30: Da können sich sechzehn bis sechsundneunzig Jahre gesagtlich mal bewerben Und die kriegen dann erfolgreiche Mentoren und Mentorinnen aus der Medienlandschaft an die Hand und dann auch den Netzwerk mit dazu Und sie kriegen die Möglichkeit, für sehr gutes Gehalt in verschiedensten Medien so eine Art Volontariat zu machen über ein halbes Jahr.
00:19:48: Das ist was, das würde ich mir noch viel flächendeckender wünschen!
00:19:54: Wir wollen nicht allzu viel über die Vergangenheit reden aber einen Punkt finde ich noch wichtig.
00:19:58: du hast ja auch schon die vielen Transformationserfahrungen gerade deine Elterngeneration angesprochen.
00:20:04: In den neunziger Jahren gab es da diese zwei Klischees Da waren der Besservessi und der Yammer-Ossi.
00:20:10: Da muss man sich, glaube ich vor Augen halten was der Osten damals durchgemacht hat weil dort ja fast die gesamte Wirtschaft zusammengebrochen ist.
00:20:17: Also schon in kurzer Zeit bis ins Jahr zweihundneinzig haben eine Million Menschen damals ihren Job verloren.
00:20:22: Bis ins Jahr zweixend neunzig waren vierzig Prozent aller Beschäftigten in Ostdeutschland mindestens einmal arbeitslos.
00:20:29: Was hat diese Erfahrung mit den Menschen gemacht?
00:20:32: Naja, die Erfahrung hat gemacht dass du eigentlich in einem Moment der Selbstermächtigung und das war ja die friedliche Revolution wo aus dem Volk heraus ein Umbruch gelangen ist.
00:20:42: Dass sich der Staat dann mit der Wiedervereinigung von einer Diktatur zu einer Demokratie mit freiheitlichen Rechten entwickeln konnte und dass durch Menschen die auf Montags-Demos gegangen sind die sich in Drucker Bewegung engagiert haben gelungen ist ohne dass jemand in diesen Jahren zu Tode gekommen ist, abgesehen von den Mauertoten, die versucht haben, in den Westen zu fliehen und dabei zu Tote gekommen sind.
00:21:05: Dass das so ein großer historischer Moment der Selbstermächtigung war, der dann ganz schnell umbrach in eine riesige Abwanderungswelle.
00:21:14: Viele gut ausgebildete Fachkräfte sind aus dem Osten in den westen gezogen, um dort dann zu arbeiten, Familien zu gründen, um da dann zu bleiben.
00:21:23: Das wiederum hat zu einer großen Arbeitslosigkeit geführt im Osten und führt heute noch mancherorts dazu, dass wir mit wirklich einer starken demografischen Schieflage zu tun haben.
00:21:34: Die die Soziologin Katja Salomo als die zugespitzteste demografische Situation der Welt beschreibt weil wir nämlich vor allen Dingen im ländlichen Osten eine Situation haben wo Abwanderung, Überalterung, Geburtenrückgang und damit ein hergehender Männerüberschuss stark ineinandergreifen.
00:21:55: Und deswegen ist die Unterzeile meines Buches auch warum Ostdeutschland uns alle angeht?
00:22:00: Weil das diese demografische Problem ineinander greifen, das zeichnet sich pö apö zum Beispiel in Gebieten wie dem Rupport ab.
00:22:10: Also wir wirklich vor einer Situation stehen, wo wir Antworten v.a.
00:22:14: darauf brauchen was passiert wenn jetzt die Baby Boomer Generation in Rente geht wie viel weniger Leute haben die in die Jobs reingehen in die sie eigentlich gehen müssten und für gleichzeitig aber diese starke Abwanderung hin in städtische Ballungsgebiete haben.
00:22:30: Und das lässt sich vielerorts nachzeichnen und vor allen Dingen lässt sich das eben im Osten beobachten.
00:22:35: Es gibt immer noch ein großes Ungleichgewicht zwischen West und Ost, was ich krass finde.
00:22:40: von den vierzig Unternehmen im deutschen DAX.
00:22:42: Er hat keines seinen Sitz in einem der fünf ostdeutschen Flächenländer also es gibt eins mit Sitz bei Berlin ist ja auch vielleicht nochmal ein bisschen ein Sonderfall.
00:22:50: Aber vielleicht sollte man auch nicht immer darüber hinwegsehen, wie sich ja auch vieles positiv entwickelt hat.
00:22:55: Wenn man sich die arbeitslosen Quoten in den sechzehn-sechzehnten Bundesländern anschaut dann liegen die fünf östlichen Flächenländer inzwischen auf den Plätzen sieben acht neun elf und dreizehn.
00:23:05: also naja nicht so wirklich vorne aber eben auch nicht mehr ganz weit hinten.
00:23:10: es gibt hier auch im Osten richtige Buhnregionen und nicht zu vergessen die Renten wurden inzwischen angeglichen hat sich vielleicht der Osten auch sogar inzwischen besser entwickelt als wir das manchmal denken.
00:23:22: Oder widerspricht es vielleicht ein bisschen diesen Bild, was häufig vermittelt wird auch in den Medien von dem etwas Rückständigen Osten?
00:23:29: Ich glaube da muss man aufs große... ganze schauen.
00:23:32: Das eine schließt das andere ja nicht aus, du hast klar ostdeutsche Boomregionen also wie Leipzig wo es einfach schon lange führendes Bevölkerungswachstum gibt was ne Uni-Stadt ist was ein großer Logistik und Medienstandort ist.
00:23:46: wir haben Dresden mit dem Silicon Sexony Also auch einen mit nem Fokus auf einer Halbleiterindustrie als auch nen eher boomender Wirtschaftsstandort.
00:23:55: Wir haben hier unweit von Berlin entfernt die Tesla Fabrik Auch etwas was Infrastruktur und Arbeitsplätze angesiedelt hat.
00:24:02: Wir haben in jener traditionsreiche und hochmodernen Standort für Optik- und Photonik, also das sind so ... Regionen, die sich durchaus wirtschaftlich und infrastrukturell hervortun.
00:24:13: Aber man merkt schon an meiner Aufzählung, dass es nach wie vor eher so urbanere Ballungsgebiete sind.
00:24:19: Und die Situation, die wir im Osten trotzdem haben ist, dass wir ein halb so großes Privatvermögen haben als im Westen.
00:24:26: Also das Vermögen von westdeutschen Haushalten ist, sechs bis drei Jahre nach der Wiener Vereinigung immer noch doppelt so hoch.
00:24:32: Wir haben ... Wenn wir uns anschauen was in West- und Ost vererbt wird dann werden nur zwei Prozent der Erbschaft im Osten abgerufen, aka.
00:24:41: ostdeutsche Erben eigentlich nichts außer ein paar Zent.
00:24:44: Und wir haben noch mal in puncto Löhne und Einkommen.
00:24:48: Wir haben eine viel geringere Tarifbindung im Osten, wir haben in den beiden Bundesländern, in denen gerade gewählt wurde, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern auch die Situation, dass sie sich eigentlich wenn es ums Einkommen geht über die rote Laterne hin und her reichen.
00:25:03: Also ich erinnere mich an eine Zahl in Sachsen Anhalt, da haben wir das geringste durchschnittliche Bruttojahreseinkommen mit forty seven tausend Euro Pi mal Daumen und im Vergleich zu dem, was in allen westdeutschen Bundesländern durchschnittlich verdient wird sind das vierzehntausend Euro weniger.
00:25:18: Weil da einen Sechzigtausend Euro pro Bruttojahresgehalt durchsichtlich verdient werden.
00:25:23: Im Mecklenburg-Vorpommern haben wir eine ähnliche Situation.
00:25:25: Da verdient jeder Dritte unter zwei sieben Brutto.
00:25:29: Wenn wir ein paar Kilometer weiterfahren nach Hamburg – und das machen viele Mecklemburger weil Sie da bekannte oder Verwandte haben die irgendwann mal hingefahren sind ich kenne das selbst als Rostockerin sehr gut Da fällt dir schon manchmal die Kindlade runter, weil Otto-Normalverbraucher oder Verbraucherin verdient da viertausendfünfhundert Brutto.
00:25:44: Und das sind schon Unterschiede, die man neben dem, dass es natürlich punktuell regional boomende Regionen gibt haben wir ja gerade genannt trotzdem noch so eine gesamtwirtschaftliche Schieflage gibt, die wir nicht außen vorlassen können.
00:26:00: Ich würde gerne auch auf ein anderes Thema zu sprechen kommen.
00:26:02: einen Kapitel aus deinem Buch ist mir besonders hängen geblieben.
00:26:05: du schreibst dir Freunde aus Westdeutschland immer wieder erzählen, dass sie an Weihnachten und Ostern nach Hause fahren.
00:26:11: Und sich dann an ihre Kindheit erinnert fühlen weil die Gebäude auch dieser Kindheit da alle noch stehen.
00:26:15: bei mir ist das auch so.
00:26:16: also ich kann meine Schulen und meinen Kindergarten immer noch anschauen.
00:26:21: Bei dir ist es anders.
00:26:22: der Kindergaten den du besucht hast der steht nicht mehr denn wird nach der Wende abgerissen.
00:26:26: Weil vieles abgeriss wurde was nach Sozialismus aussah wurde damit eigentlich auch ein bisschen deine eigene Kindheit beseitigt.
00:26:35: Was ich in dem Buch einmal durchdeklinieren wollte, ist wie viel hat unsere eigene Biografie und das was uns an Erfahrungen prägt auch mit Räumen oder Gebäuden zu tun.
00:26:47: Ich glaube wir alle haben so ein Bild im Kopf... wo wir das erste Mal mit unserer Oma Pommes essen waren im Freibad oder mit unseren Eltern zum ersten mal in den Wald gefahren sind, der am Stadtrand war und da immer unsere Pilzsammelspaziergänge gemacht haben.
00:27:03: Oder eben die Grundschule mit den bunten Schaukeln vor dem Gebäude oder so... Und das sind alles Räume bei denen ich pöa-pö in meiner Kindheit und Jugend festgestellt habe dass die abgerissen wurden.
00:27:17: Ich beschreibe das anhand eines meines Kindergartengebäudes, der – und das war für DDR-Gebäude heute würde man Ostmoderne sagen!
00:27:24: Und ich mache auch so diesen Vergleich auf, dass es ja viele Leute auf TikTok oder Instagram gibt, Ostmoderne Architektur mit Fotos irgendwie jagen und das toll finden, das darzustellen.
00:27:35: Weil es so eine gewisse, sag ich mal Ästhetik mit sich bringt die sie irgendwie faszinierend finden.
00:27:40: Und gleichzeitig war das eine Ästetik, die dann Anfang der Neunziger eben nicht mehr ins bundesdeutsche Stadtbild passte.
00:27:46: also an meinem Kindergarten gab es so einen verklingertes Fliesenbild von einem Kraken.
00:27:54: Dieses war ganz typisch für so ostdeutsche Architektur oder, ich sag mal osteuropäische postsovietische Architek-Tour.
00:28:02: Und dieser Kindergarten wurde einfach, erst wurde es übermalt und dann wurde er irgendwann abgerissen.
00:28:07: Wo ich so dachte wie sozialistisch kann denn ein Krake sein dass das nicht erhalten wird?
00:28:11: Und davon gibt es so viele Beispiele.
00:28:14: Es gab auch, ich beschreibe auch, dass sich erst von Lütten Klein nach Schmal gezogen bin.
00:28:18: Lüttenglein ist das Wohngebiet über das Stefan Maumer geschrieben hat.
00:28:22: wir sind lustigerweise beide in Lüttingleinen geboren und aufgewachsen eher bisschen länger als ich.
00:28:27: Er hat zwanzig Jahre vor mir.
00:28:30: Meine Mama, meine Schwester und ich sind dann nach Schmal gezogen.
00:28:33: Das ist direkt gegenüber von Lütenklein.
00:28:35: Und wir sind in den Nikolaikus-Netznorf-Ringen gezogen!
00:28:38: Das war ein sowjetischer Seefahrer.
00:28:42: Diese Straße, die ich als Kind – und auch heute ehrlich gesagt nicht so ganz gut aussprechen kann, Ascha auf meinen Haupt – wurde dann ganz schnell umbenannt im Kolumbusringen.
00:28:51: Das war zwar dann für mich besser aussprechbar, aber aus heutiger Perspektive und Kolonisersicht ist das eigentlich ähnlich kritisch zu sehen.
00:28:59: Ob man jetzt das Kursnetz-Norf-Ringen oder Kolumbus-Ring nennt, worauf ich hinaus will, dass dann so alles was irgendwie nur Slightly Ostdeutsch oder Sowjetisch dünchte... dann irgendwie weggewischt wurde.
00:29:12: Und ich hab das früh bemerkt, weil ich viele Freunde und Bekannte aus dem Westen habe die dann sagen, freu mich!
00:29:17: Dann kann ich wieder in meinem Kinderzimmer und dann hängen noch die alten Bravo-Poster von X und Y und ich denke mir so, hm also dieses Kinderziffer mit den alten Bravo Poster.
00:29:25: bei mir wäre es bravo Sport gewesen wenn ich unglaublicher Basketball Fan war.
00:29:29: Das gibt's halt leider so nicht mehr.
00:29:31: Zwei ja die DDR aber auch eine Diktatur.
00:29:34: dass ist vielleicht auch der Grund warum eben viele von diesen sichtbaren Zeichen dann entfernt wurden.
00:29:39: glaubst du geht beides zusammen, dass man sich klar ist was in der DDR passiert ist und trotzdem eben ja auch an dieser Erfahrung, an dieser Kindheit, an diese Erinnerungskultur festhält.
00:29:51: Ja na klar also.
00:29:53: wenn du in einer Diktatur geboren wirst und groß wirst dann musst du dich ja erstmal damit arrangieren wie du dort lebst und die Menschen haben einfach ihr ganz normales Leben gelebt.
00:30:03: Die sind ja nicht jeden Tag rumgelaufen außer, wenn sie damit konfrontiert wurden.
00:30:07: Dass Sie eben als IMs angefragt wurden oder proaktiv als IM gearbeitet haben oder von der Stasi bespitzt worden oder von einer Stasi bedroht worden oder gar Schlimmeres sind Sie eben normalen Alltag nachgegangen und haben nicht jeden Tag gesagt ich lebe in einer Diktatur Außer.
00:30:24: sie waren dann vielleicht auch wirklich Leute, die in ihrer Kunstfreiheit oder in ihrer Pressefreiheit stark eingeschränkt waren.
00:30:32: Also wo das tagtäglich auch offensichtlich war Und deswegen kann ich das schon nachvollziehen, dass man natürlich dennoch auch gute Erinnerung hat an Ferienerlebnisse.
00:30:43: An den Ostsee-Urlaub, an das Eisessen mit den Großeltern oder was auch immer weil das ja nicht zwangsläufig damit zusammenhängt in welchem Statue bist sondern mit welcher Familie und mit welchen warmenherzigen oder nicht ganz so warm herzigen Familie bist du eben aufgewachsen?
00:30:59: Was verknüppst Du da als heranwachsender Mensch für Erinnerungen dann später auch als Erwachsener dran?
00:31:04: Wir könnten noch lange weiter sprechen, aber wir müssen langsam zum Ende kommen.
00:31:07: Ich habe da noch eine Frage – was hat die deutsche Einheit uns gebracht?
00:31:13: Was würdest du sagen?
00:31:14: Also dir ganz persönlich auch als Land!
00:31:17: Den DDR-Bürgern und Bürgerinnen hat es Freiheit und Demokratie gebracht.
00:31:20: Meinungspresse, Reisefreiheit – das ist was, das möchte ich nicht hergeben!
00:31:25: Ich könnte jetzt hier heute nicht mit dir sitzen als Journalistin die ich bin, die sehr meinungs- und haltungsstark auftritt und dann mit einem westdeutschen Journalisten darüber sprechen.
00:31:34: Ich wäre wahrscheinlich nicht mal JournalistIn geworden oder hätte irgendwie flieden müssen.
00:31:38: Das ist was da sehne ich überhaupt keine DDR zurück sondern bin
00:31:43: froh.".
00:31:44: um eine Wiedervereinigung.
00:31:45: Sie hat auch bewirkt, dass es eine Modernisierung in Infrastrukturstraßen und Städten gab, dass die Telekommunikation grundlegend erneuert werden konnte.
00:31:54: Und das alles sind ja auch Dinge, die funktioniert haben und die positiv hervorzuheben sind.
00:31:59: Und gleichzeitig gibt es aber ja auch die strukturellen Unterschiede, die wir gerade schon angesprochen haben.
00:32:04: Ich habe auch ein bisschen vorher über die Frage nachgedacht und ich bin eigentlich zum Schluss gekommen.
00:32:09: Ich finde, dass es ja eigentlich eine total spektakuläre Geschichte ist.
00:32:12: Ein Land und eine Bevölkerung waren eigentlich vierzig Jahre lang geteilt ungefähr... ...und wachsen jetzt wieder zusammen!
00:32:19: Das macht schon vieles in Deutschland interessanter.
00:32:22: Das hebt uns von anderen Ländern ab,... ...dass wir das irgendwie einigermaßen hinkriegen.
00:32:26: Und ich finde schon auch, dass wir das ganz gut hinkregen.... ....und bin eigentlich ganz froh in diesem Land zu leben, dass diese Herausforderungen meistert würde ich sagen.
00:32:33: Stimmst du mir dazu?
00:32:35: Ja!
00:32:35: Da sind wir uns dann noch einig.
00:32:37: Da
00:32:37: sind we uns einig, na klar!
00:32:39: Ja das war die Folge unseres Podcasts Explained zur deutschen Einheit.
00:32:43: Vielen Dank liebe Marike dass du zu uns gekommen bist.
00:32:45: vielen dank euch fürs Zuhören.
00:32:47: in der nächsten Folge geht es um die Frage was ist für Deutschland bedeuten würde wenn hier die olympischen Spiele ausgetragen werden?
00:32:54: Wenn ihr Themen habt über die ihr gerne mehr wissen würdet meldet euch gerne.
00:32:58: Unseren Kontakt findet ihr in den Show-Nauts.
00:33:01: Und wenn euch die Folge gefallen hat, freuen wir uns über positive Bewertungen und ein Abo!
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00:33:16: Mal!
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