Wie wir die Krankenkassen-Reform zu spüren bekommen
Shownotes
Rund 75 Millionen Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert. Auf sie kommen Veränderungen zu, denn Bundestag und Bundesrat haben ein Sparpaket für die gesetzlichen Kassen beschlossen. Warum ist die gesetzliche Krankenversicherung in finanzieller Schieflage? Weshalb ist eine Reform nötig? Und was bedeuten die Beschlüsse für uns Versicherte?
Darüber sprechen Sophie Bierent und Fabian Busch in der aktuellen Folge von "Xplained". Einschätzungen gibt es auch von Oliver Blatt, dem Vorstandsvorsitzenden des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung.
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Zum Weiterlesen:
- Gesundheits-Sparpaket beschlossen – was jetzt auf die Menschen zukommt
- Gesundheitsminister Carsten Linnemann: Des Schusters neuer Leisten
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Beteiligt an dieser Folge waren:
- Redaktion GMX: Sophie Bierent, Fabian Busch
- Projektleitung GMX: Christian Zechel
- Projektleitung Pool Artists: Anna Vahldick
- Redaktion Pool Artists: Max Finger
- Produktion Pool Artists: Jona Rösch, Benjamin Meyer
Transkript anzeigen
00:00:00: Fabian, wann warst du denn zum letzten Mal in der Apotheke?
00:00:04: Ich kann mich da gar nicht so genau erinnern.
00:00:06: Ich vermute irgendwann im Frühjahr als ich erkältet war... ...ich habe das Gefühl in diesem Jahr hat mein Immunsystem nicht richtig gut funktioniert und Du?
00:00:14: Also ich bin regelmäßig in der apotheke mindestens einmal pro Quartal!
00:00:19: Ich muss mir nämlich alle drei Monate ein Medikament wegen meiner Schilddrösen unter Funktion holen.
00:00:24: Aber ist es nicht toll, dass das in Deutschland so problemlos möglich ist?
00:00:27: Also du bekommst ein Medikament verschrieben und dann gehst du in die Apotheke.
00:00:31: Und kannst du dir da einfach abholen?
00:00:33: Ja also an sich auf jeden Fall aber ich persönlich... Ich find's schon auch irgendwie nervig denn in jedem Quartal muss ich extra zum Arzt damit da die Krankenkassenkarte eingelesen wird und ich mein Rezept bekommen und ganz umsonst bekomme ich sie ja auch nicht!
00:00:48: Also ich muss jetzt zb für meinen Schilddrüsen-Medikament jedes mal fünf Euro dazu zahlen.
00:00:54: Ja, das stimmt natürlich und es wird in Zukunft sogar noch ein bisschen mehr.
00:00:58: Ja, darüber wollen wir heute sprechen!
00:01:01: Und damit herzlich willkommen zu Xplained!
00:01:03: Ich bin Sophie Bierend, Redakteurin für Wissen-und Ratgeber bei GMX und Webdee.
00:01:09: Und ich bin Fabian Busch, ich leite das Hauptstadtbüro von GMX & Webdeen Berlin.
00:01:29: Und ja, das klingt ehrlich gesagt ganz schön trocken.
00:01:34: Das kann es auch sein aber ich finde das Thema trotzdem sehr interessant.
00:01:38: Ich bin daneben unter anderem auch für Außenpolitik zuständig und ich muss sagen dass Schöne an der Gesundheitspolitik ist.
00:01:44: die ist einfach so lebensnah Die betrifft uns all dem Alltag denn krank werden wir alle mal.
00:01:50: Ja leider das stimmt und darum geht's auch heute.
00:01:53: Bundestag und Bundesrat haben im Juli eine Reform der gesetzlichen Krankenversicherungen verabschiedet.
00:01:59: Eigentlich handelt es sich ja um ein Sparpaket und das wird für sehr, sehr viele Menschen Veränderungen mit sich bringen.
00:02:06: Denn fünfund siebzig Millionen Menschen in Deutschland sind gesetzlich krankenversichert.
00:02:11: Ich würde vorschlagen wir fangen mal ganz von vorne an.
00:02:14: Wozu braucht's denn überhaupt dieses Sparpakat?
00:02:17: Also die gesetzliche Krankenversicherung funktioniert ja so.
00:02:20: Sie erhält ihr Geld aus den Sozialversicherungsbeiträgen, die wir Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer und die Arbeitgeber zahlen.
00:02:26: Die werden ja vom Lohn abgezogen.
00:02:28: Und vereinfacht gesagt, bezahlen die Krankenkassen dann davon unsere Gesundheitsversorgung.
00:02:33: Also sie zahlen die Behandlungen bei Ärztinnen und Ärzten oder im Krankenhaus wenn du Medikamente verschieben bekommst oder wenn du jetzt MRT musst.
00:02:41: all das wird davon bezahlt.
00:02:42: Und lass mich mal raten dass es in den letzten Jahren viel teurer geworden ist.
00:02:46: Genau, die Ausgaben der gesetzlichen Krankenkassen sind so stark gestiegen dass sie bei weitem nicht mehr von den Einnahmen gedeckt werden.
00:02:53: Dafür gibt es unterschiedliche Gründe.
00:02:55: wir können mal einen rauspicken und das ist ja das Pflegekräfte in Krankenhäusern inzwischen deutlich besser bezahlt werden als früher.
00:03:02: Ja aber das ist gut wenn man bedenkt wie fordernd dieser Beruf auch ist.
00:03:07: also ich erinnere mich da noch ganz genau an die Debatten die während Corona so richtig ins Rollen gekommen sind Und ich würde mal behaupten, die meisten sehen es ja auch als positiv das Pflegekräfte jetzt mehr Geld bekommen.
00:03:18: Das ist natürlich super und das haben sie auch verdient.
00:03:21: Das hat aber eben auch die Folgen dass Krankenhausbehandlungen teurer werden und das ist ja nicht nur weil die Pflegeteuer geworden ist da kommen ja auch jede Menge Geräte und Material zum Einsatz.
00:03:32: Ärzte müssen bezahlt werden.
00:03:34: Ich habe mal beim Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen nachgefragt und die haben ein fiktives Beispiel ausgerechnet Bei einer Blinddarm-Operation ohne Komplikation, für die der Patient drei bis vier Tage im Krankenhaus ist, belaufen sich die Kosten für die Kassen auf rund fourtausend siebenhundert Euro.
00:03:51: Okay also das schon ein recht großer Betrag.
00:03:54: und dass es ja auch nur eine Routineoperation ohne Komplicationen?
00:03:58: Genau!
00:03:58: Und der zweite große Kostenblock, der immer genannt wird, das sind die Medikamente.
00:04:03: Die Ausgaben der Kassen für Arzneimittel sind in dem vergangenen Jahr um fünf Komma sieben Prozent im Vergleich zum Vorjahr gestiegen.
00:04:09: Und wie kommt das?
00:04:10: Also sind Medikamente teurer geworden oder nehmen einfach mehr Menschenmedikamente.
00:04:15: Das liegt vor allem an den Preissteigerungen, ich hab da auch mal nachgefragt die günstigsten Arzneimittel zur Zeit, die kosten die Kassen inklusive Honorare für die Apotheken etwas mehr als zehn Euro pro Packung.
00:04:28: aber nach oben ist die Preisspanne wirklich sehr groß.
00:04:31: vielleicht willst du mal schätzen.
00:04:33: Also bin schon sehr groß schwierig.
00:04:37: Aber ich denke mir für Medikamente, da muss ja auch wirklich viel Forschung reingesteckt werden.
00:04:42: Also wahrscheinlich kann es da schon um mehrere tausend Euro gehen?
00:04:46: Ja das ist noch zurückhaltend also beim aktuell teuersten Arzneimittel.
00:04:51: Da kostet eine Packung derzeit drei Millionen Euro.
00:04:55: Das ist allerdings ein extremer Ausreißer.
00:04:57: Da geht es um einen Medikament gegen seltene Stoffwechselerkrankungen, eine etwas größere Rolle auch in der Masse spielen verschiedene Krebsmedikamente und da liegen die Kosten pro Packung aber auch bei rund zweihunderttausend
00:05:09: Euro.
00:05:09: Wow also das ist echt ne riesige Stangegeld!
00:05:13: Ja okay und in Deutschland sind ja ungefähr fünfund siebzig Millionen Menschen in einer gesetzlichen Krankenkasse,
00:05:19: d.h.,
00:05:20: da kommt sehr viel Geld zusammen dass dann auch ausgegeben wird.
00:05:23: Du hast über das Thema ja auch mit Oliver Blatt gesprochen, der sich damit aus eigener Erfahrung besonders gut auskennt.
00:05:30: Genau, Oliver Blat ist Vorstandsvorsitzender des Spitzenverbands der gesetzlichen Krankenversicherung also des Zusammenstoßes der drei neunzig gesetzliche Krankenkasten in Deutschland und er sagt dazu folgendes
00:05:41: Also wir haben das Problem bei uns in Deutschland, dass wir sehr lange nichts an den Strukturen im Gesundheitssystem geändert haben.
00:05:48: Das führt dazu, dass ganz viele Dinge tun die nicht nötig sind, die so langsam funktionieren und das führt am Ende auch dazu, daß die Kosten für das Gesundheitssystem extrem ansteigen.
00:06:01: Wir geben heute über eine Milliarde Euro pro Tag aus für Gesundheitsversorgung Und das ist sehr viel auch im Vergleich zu anderen Ländern.
00:06:08: gleichzeitig stehen wir aber bei dem was wir damit erreichen, nämlich zum Beispiel die Lebenserwartung mittlerweile im unteren Mittelfeld.
00:06:16: Das heißt, wir geben sehr viel Geld aus und gleichzeitig bekommen wir dafür aber nicht mehr die beste Qualität.
00:06:21: Und das ist ein Problem, was wir ändern
00:06:23: müssen.".
00:06:25: Man würde ja mit gesunden Menschenverstand eigentlich sagen es kann doch nicht sein dass die Krankenkasten mehr Geld ausgeben als sie zur Verfügung haben.
00:06:33: Das sieht Oliver Blatt eigentlich ähnlich.
00:06:36: Ja, das ist ein ganz einfaches Prinzip, dass jeder von zu Hause kennt.
00:06:39: Ich kann eigentlich nur das ausgeben was ich einnehme.
00:06:42: Wenn ich über längere Zeit mehr Geld ausgebe als ich einnahme muss sich entweder Kredite aufnehmen oder ich bin Pleite.
00:06:48: Das Gleiche haben die Krankenkassen das Problem, sie bekommen Geld über Beitragssätze von den Menschen, die arbeiten und den Arbeitgebern.
00:06:55: Und diese Entwicklung ist leider so, dass wir weniger einnehmen über diese Quelle als wir auf der anderen Seite ausgeben.
00:07:01: Und das führt dazu, dass we laufen die Zusatzbeiträge anheben müssen, die Krankenkasen – und das möchte natürlich auf Dauer keiner.
00:07:08: Puh!
00:07:09: Also lass uns das mal nochmal zusammenfassen.
00:07:12: Die Krankenkasten geben deutlich mehr aus, Und deswegen müssen Sie sich auf andere Weise Geld besorgen.
00:07:19: Ja, die Krankenkassen haben in den vergangenen Jahren erstens ihre Finanzreserven aufgebraucht und zweitens hatten sie eigentlich nur einen Weg um sich zu helfen.
00:07:28: viele Kassen haben die Zusatzbeiträge erhöht, die sie von den Versicherten verlangen können.
00:07:33: das heißt eben wir Versicherte mussten mehr für unsere Krankenversicherung bezahlen.
00:07:38: und diesen Trend will die Bundesregierung jetzt mit der Krankenkastenreform beziehungsweise mit dem Sparpaket etwas entgegensetzen.
00:07:46: Und dieses Sparpaket wollen wir uns jetzt auch mal etwas genauer anschauen.
00:07:49: Ich würde sagen, wenn man mehr ausgibt als man eine dann gibt es ja zwei Lösungen entweder man gibt weniger Geld aus oder man muss dafür sorgen dass eben mehr Geld in die Kasse kommt.
00:08:02: Ja und die Reform macht eigentlich beides gleichzeitig.
00:08:05: sie soll einerseits die Ausgaben der Kassen senken aber sie soll auch dafür sorgen das die Kassen mehr Geld zur Verfügung haben.
00:08:12: gleichzeitig.
00:08:13: Dann fangen wir doch vielleicht einfach gleich mit dem ersten Punkt an.
00:08:16: Wo wird dann in Zukunft gespart?
00:08:18: Für manche Dinge werden die gesetzlichen Krankenkassen in Zukunft nicht mehr aufkommen, sie übernehmen zum Beispiel nicht mehr die Kosten für homöopathische Behandlungen und auch nicht mehr für ein Anlassloses Screening auf Hautkrebs.
00:08:32: Was auch neu ist vor manchen Operationen z.B.
00:08:34: vor Knieoperationen soll in Zukunft eine Zweitmeinung eingeholt werden ob eine Operation wirklich nötig ist oder ob den Patienten auch anders geholfen wäre.
00:08:44: Also, für mich klingt das erst mal sinnvoll.
00:08:46: Die Sache mit der Homöopathie dagegen ist wohl wahrscheinlich eher so ein Streitpunkt.
00:08:51: bis auf den Placeboeffekt gilt die Wirksamkeit ja auch echt nicht alles belegt.
00:08:55: aber es gibt eben auch viele Menschen, die auf Homöopathie schwören.
00:08:59: Ja, denen Befürworter wird das sicherlich gefallen.
00:09:01: Aber ich sehe ehrlicherweise ein anderes großes Problem
00:09:04: Nämlich
00:09:06: Oliver Blatt hat es ja eben angesprochen, die Krankenkassen geben aktuell eigentlich mehr Geld aus als sie einnehmen und in Zukunft soll deswegen das Prinzip gelten.
00:09:15: Sie können nur noch ausgeben was sie ein nehmen.
00:09:19: Also das klingt für mich erstmal logisch.
00:09:21: Das klingt logisch Aber unter anderem die Krankenhäuser und die Ärzteverbände befürchten, dass darunter die Gesundheitsversorgung leiden wird.
00:09:30: Wenn Krankenhäusern zum Beispiel Tarifverträge unterschrieben haben, die vorsehen das die Löhne steigen dann bekommen sie diese steigenden Löhnen in Zukunft nicht mehr komplett refinanziert.
00:09:41: Und dabei sind jetzt ja schon viele Krankenh Häuser ein finanzieller Not.
00:09:45: Jetzt soll vereinfacht gesagt noch weniger Geld von den Krankenkassen kommen und die Deutsche Krankenhausgesellschaft befürchtet deswegen eine Insolvenzwelle bei den Kliniken.
00:09:54: Und bei den niedergelastenden Ärztinnen und Ärzten ist es so, da werden bestimmte Zuschläge abgeschafft zum Beispiel Zustäge, die die Ärzte vom Krankenkasten bekommen wenn sie offene Sprechstunden anbieten.
00:10:05: Die Ärzterverbände sagen, wenn Sie diese Zuschlage nicht mehr bekommen dann werden Sie diese Sprechenstunde nicht mehr anbieten.
00:10:10: das heißt darunter könnte auch die Gesundheitsversorgung leiden.
00:10:14: Das hört sich jetzt Nicht gerade positiv an.
00:10:17: Was glaubst du denn, wird es so kommen?
00:10:20: Also das ist schwer abzuschätzen.
00:10:22: da muss man nach glaube ich einfach abwarten.
00:10:25: Verbände protestieren oft sehr laut wenn die politische Entscheidung verhindern wollen, die ihnen nicht so passen.
00:10:31: allerdings beklagt auch die Opposition im Bundestag also sowohl Grüne als auch Linke und die AfD dass im Bundestage viel zu wenig Zeit war um sich über die Folgen dieser Reform Gedanken zu machen.
00:10:43: Die Koalition hat inzwischen auch schon eingeräumt, dass sie an manchen Stellen noch nachsteuern muss.
00:10:49: Zum Beispiel bei den Psychotherapeuten.
00:10:52: Da gibt es die Befürchtung des viele psychotherapeutische Praxen in Zukunft schließen müssen weil ihnen die wirtschaftliche Existenz entzogen wird.
00:10:59: und da will die Koalition jetzt im Herbst nochmal ein Gesetz nachschieben das das verhindern soll.
00:11:04: Hört sich ja alles schon ziemlich negativ an!
00:11:07: Du hast zu Beginn auch die hohen Medikamentenpreise erwähnt.
00:11:11: setzt die Reform da auch an?
00:11:13: Ein bisschen.
00:11:14: Es ist so, dass die Krankenkassen einen Rabatt bekommen auf die Arzneimittel, die sie für ihre Versicherten bezahlen.
00:11:20: Das sind bisher sieben Prozent.
00:11:22: Die werden vom Abgabepreis der Hersteller abgezogen.
00:11:26: D.h.,
00:11:26: das müssen die Krankenkasen dann weniger bezahlen und dieser Prozentsatz soll auf fünfzehn Komma fünf Prozent steigen.
00:11:32: Das soll eben die Ausgaben für Medikamente senken aber die Opposition hält das für zu wenig.
00:11:39: Da muss man wissen, die Arzneimittelhersteller sind eine starke Lobby und haben sich offenbar erfolgreich dafür eingesetzt dass sie nicht noch stärker belastet werden.
00:11:47: Also ich kann mich erinnern das wir auf unseren Portalen auch über ein weiteres Thema berichtet haben.
00:11:52: Das war die Teilkrankschreibung.
00:11:54: bisher ist es ja so, dass es nur zwei Möglichkeiten gibt entweder ist man gesund oder man ist halt komplett krank geschrieben und das soll sich ja auch ändern oder?
00:12:03: Ja in Zukunft kann man auch nur zu fünfundzwanzig, zufünfzig oder zufünfundsiebzig Prozent kranke schrieben sein.
00:12:10: Das kann man sich zum Beispiel so vorstellen wenn man einen Bandscheibenvorfall hat.
00:12:14: dann ist es häufig sinnvoll sich ein bisschen zu bewegen und das gibt dann vielleicht Patienten die eigentlich ganz froh werden wenn sie ein bisschen arbeiten können zumindest ein bisschen aber eben nicht voll also keinen ganzen Tag.
00:12:25: Und in Zukunft könnte es dann zum Beispiel so sein, dass man in dem Fall nicht mehr komplett krankgeschrieben ist, sondern nur zu fünfzig Prozent.
00:12:31: Dann würde man z.B.
00:12:32: einen halben Tag arbeiten gehen und wäre für den Rest des Tages krank geschrieben.
00:12:36: Für die Krankenkassen kann das auch Geld einsparen weil sie dann eben noch fünfzig prozent Krankengeld bezahlen müssten.
00:12:43: Also das vielleicht sogar ganz sinnvoll?
00:12:46: Und ein anderes Thema hat für einen viel größeren Aufschrei gesorgt also zumindest im meinem Unfällt dass man eine Krankschreibung in Zukunft schon ab dem ersten Tag braucht?
00:12:57: Ja, das ist aber bisher nur eine Idee muss man sagen.
00:13:00: Das ist noch nicht umgesetzt und das auch nicht Teil dieser aktuellen Krankenkassenreform.
00:13:05: Okay also das war bisher die wichtigsten Maßnahmen mit denen die Kassen weniger Geld ausgeben sollen.
00:13:11: dann schauen wir uns mal den anderen Weg an.
00:13:13: Also die Krankenkasten sollen ja auch mehr Geld bekommen.
00:13:16: von wem?
00:13:17: zum Beispiel?
00:13:17: von uns von den Versicherten.
00:13:18: das muss man so klar sagen.
00:13:20: Du hast ja schon am Anfang gesagt, dass du deine Schilddrüsenmedikamente nicht komplett umsonst bekomm, sondern dass du etwas zuzahlen musst.
00:13:26: Und das wird auch in Zukunft noch ein bisschen mehr kosten.
00:13:30: Aktuell liegen die Zuzahlungen bei fünf bis zehn Euro pro Packung und die sollen auf sieben Euro, fünfzig bis fünfzehn Euro steigen.
00:13:38: Okay, darauf kann ich mich also schon einstellen!
00:13:41: Das klingt jetzt zuerst auch nicht nach viel aber bei anderen Menschen, die länger krank sind kommt natürlich dann einiges zusammen Und es ist ja vor allem für Menschen mit wenig Geld eine Belastung.
00:13:51: Müssen denn die Besser-Fediner auch mehr bezahlen?
00:13:54: Ja, was man da macht, das ist ein Erhöhung der Beitragsbemessungsgrenze.
00:13:57: Das ist ein schwieriges Wort!
00:13:59: Aber
00:13:59: wirklich?!
00:14:00: Das ist der Betrag bis zudem auf das Monatsgehalt Beiträge erhoben werden.
00:14:04: Der liegt derzeit bei fünftausend achthundert zwölf Euro Fünfzig Brutto.
00:14:09: Das heißt wenn jemand mehr verdient dann werden auf den Betrag darüber keine Krankenversicherungsbeiträge erholen Und diese Grenze soll jetzt steigen, einmalig um dreihundert Euro.
00:14:19: Das heißt wer ganz gut verdient zahlt ein bisschen mehr Beiträge.
00:14:23: das betrifft dem Gesetz zufolge im nächsten Jahr ungefähr fünf Komma vier Millionen Versicherte.
00:14:28: und dann gibt es ja auch noch eine neue Regelung für die Familienversicherung.
00:14:33: von der habe ich auch schon gehört.
00:14:34: darüber wurde Ja auch viel diskutiert.
00:14:36: Es ist ja so dass Kinder und ihr Partner die nicht arbeiten und damit auch keine Versicherungsbeiträge bezahlen über den Lebenspartner bislang kostenlos mitversichert sind.
00:14:47: Bei Kindern soll das auch so bleiben, also Kinder sind weiterhin über die Eltern versichert.
00:14:51: aber eine Änderung gibt es für Ehepartnern, die nicht selbst einzahlen und auch keine Pflegebedürftigen angehörigen und keine Kinder unter zwölf Jahren zu betreuen haben.
00:15:01: Für diese mitversicherten Ehepartner muss der versicherte Ehe-Partner künstlichen Zuschlag von zwei Komma fünf Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen zahlen.
00:15:09: Also auch für diese Menschen wird's nochmal ein bisschen teurer.
00:15:13: Also, mir brummt ehrlich gesagt vom Zuhören so langsam schon der Kopf.
00:15:16: Ja gleich geschafft!
00:15:17: Noch ein letzter Punkt, der eigentlich ganz einfach ist... Die Tabaksteuer soll auch steigen und es soll eine neue Steuer auf zuckerhaltige Getränke kommen.
00:15:26: Die Einnahmen können dann ebenfalls vom Start an die Krankenkassen fließen allerdings das noch nicht final beschlossen.
00:15:33: Also irgendwie müssen alle in Zukunft zum bisschen mehr zahlen.
00:15:36: Weißt du was ich mich frag?
00:15:38: Kann man denn nicht auch bei den Krankenkassen selbst sparen?
00:15:41: Also ich meine, du hast es ja am Anfang kurz gesagt.
00:15:43: Es gibt in Deutschland dreiundneunzig gesetzliche Krankenkasten alle mit einer eigenen Verwaltung.
00:15:50: Das verschlingt doch auch Geld!
00:15:52: Das ist in der Tat immer wieder ein Ärgernis und deswegen habe ich diese Frage auch an Oliver Blatt gestellt, der die vielen Krankenkassens vertritt.
00:16:00: Die Zahl three-neunzig kommt eigentlich aus dem Wettbewerb, die hat sich entwickelt.
00:16:04: Es gab mal über zweitausend Krankenkassen, zweihundertzwanzig und jetzt sind wir bei drei neunzig.
00:16:10: das heißt wir stellen fest im Wett Bewerb fusionieren Krankenkasten.
00:16:14: Ich bin ein Fan davon, dass man die Auswahl hat zwischen Krankenkassen.
00:16:17: Gerade heute hat Stiftung Warn-Test nochmal bewertet, warum Menschen zu der Krankenkasse nicht gehen.
00:16:23: Deshalb finde ich es gut und richtig, dass wir viele haben.
00:16:25: Und der Wettbewerb wird dafür sorgen, dass die Zahl womöglich noch nach unten geht.
00:16:29: Ich halte es für nur ein Fehler wenn Politik das beorderte Mufti macht.
00:16:33: Das hat noch nie geklappt!
00:16:35: Ja, damit mag er recht haben.
00:16:37: Die Vielzahl der Kassen schafft natürlich einen gewissen Wettbewerb.
00:16:40: also man kann sich eine Krankenkasse aussuchen.
00:16:43: die Stiftung warntest hat Anfang Juli noch mal dargestellt worauf man dabei achten kann zum Beispiel auf die Zusatzleistungen oder die Höhe der Zusatzbeiträge.
00:16:51: das wäre ja alles nicht möglich wenn es nur eine Einheitskasse gäbe.
00:16:55: aber aus rein symbolischer Sicht finde ich auch nicht ganz ideal, dass es eben erst mal bei dieser Zahl bleibt.
00:17:01: Denn so eine Reform verlangt ja vielen Menschen was ab und ich glaube das wird auch eher auf Zustimmung treffen wenn die Leute das Gefühl haben, dass eben jeder da etwas beitragen muss.
00:17:10: Ja da gehe ich voll mit dir mit.
00:17:11: also da geht's ja auch um so ein Gemeinschaftsgefühl.
00:17:14: Genau
00:17:15: Wir haben jetzt viele Teile dieser Krankenkassenreform aufgezählt Und ist schon deutlich geworden, dass sich für Versicherte aber auch für Krankenhäuser und Ärzte einiges ändern wird.
00:17:26: Da stellt ich mir die Frage, werden die Probleme damit denn auch wirklich dauerhaft gelöst?
00:17:32: Das kann man ganz klar beantworten mit einem Nein.
00:17:35: Das sagt auch die Bundesregierung so.
00:17:37: Die Politik wird die Probleme nur mit noch größeren Reformen lösen und da sprechen wir dann von den großen Strukturreformen, die sich die Regierung auch vorgenommen hat.
00:17:45: Oh je das klingt gefährlich!
00:17:47: Weißt du schon was da noch auf uns zukommt?
00:17:50: Also ich nenne mal nur ein Beispiel und das ist das Primärversorgungssystem.
00:17:55: Das Ziel ist, dass wir als Patienten stärker gesteuert werden.
00:17:59: Die Erfahrung macht ja jede und jeder Mal ... Wir müssen zum Beispiel bei Fachärztinnen und Fachärzten sehr lange auf Termine warten?
00:18:06: Ja also das kann ich bestätigen!
00:18:08: Oft ist es nicht mal nur das Warten sondern auch wenn man umgezogen ist da ist es als Kassenpatient echt oft schwer irgendwo neu aufgenommen zu werden.
00:18:18: Zum Beispiel bekommt man manche Facharzttermine erst nach Monaten.
00:18:23: Aus Sicht der Ärztin und Ärzte liegt es auch daran, dass Patienten eben nicht wirklich gut gesteuert werden.
00:18:28: Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung sagt zum Beispiel, dass jede dritte Person im Wartezimmer eines heiznasen Ohrenarztes eigentlich gar keinen Fall für den HNO-Arzt wäre.
00:18:38: Und deswegen soll es generell weniger Arzkontakte geben.
00:18:42: Das würde natürlich auch wiederum die Kosten senken.
00:18:45: Ja gut aber wie soll das dann in Zukunft laufen?
00:18:48: Also wenn es so kommt, wie sich das die Bundesregierung vorstellt Dann soll es bei den meisten Fachdisziplinen nicht mehr möglich sein, einfach selbst einen Termin auszumachen.
00:18:57: Sondern das soll über den Hausarzt oder die Hausärzte laufen.
00:19:00: Die vermitteln die Termine und im Gegenzug soll man dann aber auch schneller an Fachartstermine
00:19:05: kommen.".
00:19:06: Okay also da stellen sich mir auch ganz viele Fragen wie das klappen soll Aber die können wir heute glaube ich nicht mehr erklären.
00:19:14: Nein, zumal das auch noch gar nicht beschlossen ist dass es bisher nur eine Idee und um die Umsetzung wählt sich die Bundesregierung jetzt erst noch kümmern.
00:19:21: Und wenn's so weit ist dann lass uns gerne in einer neuen Folge nochmal drüber sprechen Dann kannst du ja wiederkommen!
00:19:27: Gerne
00:19:28: Danke, dass du das Thema mitgebracht hast Fabian.
00:19:30: und auch immer schön gesund bleiben.
00:19:33: Du auch!
00:19:34: Wenn euch die Folge gefallen hat dann lasst uns gerne eine positive Bewertung oder ein Abo da und wenn ihr Feedback mit uns teilen oder mehr über ein bestimmtes Thema erfahren wollt, dann meldet euch gerne.
00:19:45: Unseren Kontakt findet ihr in den Show-Notes und in der nächsten Folge bei Xplained sprechen wir ja über ADHS im Erwachsenenalter.
00:19:53: Bis dahin macht's gut,
00:19:55: ciao!
00:20:00: Was heißt das für mich?
00:20:01: Ist ein Podcast von GMX und wird produziert von Poolartists.
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